Die Qualifikation der Seelsorger/innen

 

A) Die Ausbildung der Seelsorger/innen

Kenntnisse und Fähigkeiten in den Bereichen:
- Begleitung von Menschen in Trauer, Leid und Tod
- theologische und seelsorgerliche Auseinandersetzung mit Trauer, Leid und Tod
- partnerschaftliche Begleitung von Menschen in Krisensituationen
- Umgang mit Schuld
- Selbstreflektion und Verarbeitung von Fremdwahrnehmung
- Erfahrung im Umgang mit und in der Anwendung kirchlicher Rituale

meist ca. 10-semestriges Hochschulstudium
psychologisches Überblickswissen
pädagogische Theorie und Praxis
theoretische Kenntnisse in verschiedenen Formen und der Entwicklung der Seelsorge
praktische Erfahrungen in der Seelsorge
Umgang mit Sprache und Kommunikation (Vermittlung von Sachverhalten)
Intensive Auseinandersetzung mit menschlichen Grundfragen wie Verlust, Leid und Tod und den menschlichen Reaktionsformen wie Trauer, Schmerz und Verzweiflung.

theoriebegleitete Gemeinde- und Industriepraktika

Vikariat: Begleitete Praxis und begleitete persönliche Reflektion

Fortbildungen (z.B. KSA, Seelsorge, ...)

regelmäßige Reflektion der eigenen Berufspraxis durch Mitarbeitergespräche oder/und Supervision.

 

B) Die Bedeutung des christlichen Glaubens bei der Betreuung in Krisensituationen

Über die Hälfte aller Menschen in Deutschland bekennen sich zu einer christlichen Kirche. Dieser Glauben kann in Krisensituationen fruchtbar gemacht und als hilfreiche Ressource genutzt werden.

Seelsorger/innen können in unfassbaren Situationen auf einen stützenden Deutungsrahmen zurückgreifen. Selbst in hoffnungslosesten Situationen wissen sie um die Hoffnung, die in Gott begründet ist und sie vertreten diese Hoffnung auch ohne eine verbale Predigt. Seelsorger/innen stehen ein für das Leben auch mitten im Chaos und im Tod.
Der christliche Glaube begreift den Tod nicht als einen endgültigen Punkt, sondern als einen Übergang. Dieser Glauben kann Menschen helfen, Trauer und Tod auf eine gute Art in ihr Leben zu integrieren. Christliche Seelsorger/innen können durch Gebete und Riten auch noch für Verstorbene tätig werden und erleichtern so den Hinterbliebenen den Abschied und einen gesunden Neubeginn.

Seelsorger/innen können im Umgang mit Schuld entlasten, da sie im Auftrag der Kirche Gottes Vergebung zusprechen können.
Kirchliche Rituale, können helfen, chaotischen Situationen Strukturen zu geben.
Sie vergewissern die Geschädigten,  dass sie trotz der Krisensituation geliebt und anerkannt sind.


C) Besondere Vorzüge der Seelsorger/innen aufgrund ihrer sozialen und rechtlichen Stellung und ihrer Organisation

Eine seelsorgerliche Betreuung wird in keinem Fall als stigmatisierend empfunden
Das Beichtgeheimnis der Seelsorger/innen ist besonders geschützt.
Sie können sofort Auskunft geben über die weiteren Schritte in den Bereichen Verbleib der Toten und Beerdigung.

Þ   Die Kirchen sind die einzigen Organisationen, die flächendeckend über Mitarbeiter/innen verfügen, die in Seelsorge und klientenzentrierter Gesprächsführung ausgebildet sind.

Þ   Kirchliche Mitarbeiter/innen sind bekannt, sie genießen das besondere Vertrauen der Bevölkerung, für viele Menschen verkörpern sie eine Autorität.

Þ   Kirchliche Seelsorger/innen genießen ein umfangreiches Zeugnisverweigerungsrecht.

Þ   Im Einsatz haben kirchlichen Mitarbeiter/innen keine anderen Aufgaben. Sie können sich ganz den jeweiligen Gesprächspartnern widmen.

Þ   Die Berufskleidung und Gerätschaften der Pfarrer/innen sind den in Not geratenen Menschen vertraut.

Þ   Kirchliche Seelsorger/innen verfügen über Rituale, die besonders in Krisensituationen hilfreich sein können (Krankensalbung, Abendmahl, Rosenkranz, Kreuzzeichen, Gebete, Segnung)

Þ   Kirchliche Seelsorger/innen können leicht Verbindungen zur Klinikseelsorge, zu den Heimatpfarreien, Sozialstationen oder zu psychologischen Fachleuten anbahnen.

Durch ihr Netzwerk kann die Ortskirche schnelle und niederschwellige menschliche und soziale Hilfe auf Ortsebene gewährleisten.
Die Seelsorger/innen haben intensive Kenntnisse über das regionale soziale Netzwerk und schnelle Zugriffsmöglichkeiten

Netzwerk der Kirchen in der Region:
Es können schnell mehrere Seelsorger/innen zusammengezogen werden, die aufgrund ihrer regelmäßigen Einbindung in die Notfallseelsorge einheitlich gekennzeichnet sind und sich schnell in die Gegebenheiten auch größerer Rettungseinsätze einfügen können.

Mittel- und Langfristige Betreuung durch unterschiedliche kirchliche Stellen.


Für das Internet bearbeitet von Hanjo v. Wietersheim am 09. Oktober 2002.

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