Feuer-Unfall erschüttert Zeltlager

Stichflamme bei Konfirmandenreise in Dänemark:

Zwei Jungen aus Bargteheide liegen mit Verbrennungen in einer Spezialklinik.

 

Von Cornelia Büddig

 

Bargteheide/Norre Lyngvig -

 

Große Bestürzung in Bargteheide: Zwei Konfirmanden aus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde haben sich beim allerersten Konfi-Camp auf Nordeuropas größtem Zeltplatz im dänischen Norre Lyngvig schwer verletzt. Die beiden Jungen kamen mit starken Verbrennungen an Händen, Armen und Oberkörpern nach Kopenhagen in eine Spezialabteilung des Reichshospitals. "Ihnen geht es den Umständen entsprechend", sagt Pastor Ulrich Tomm (49), der den Krisenstab in Stormarn organisiert hat. Mit seinen Helfern hat er die Angehörigen aller 187 Teilnehmer - Konfirmanden und Betreuer - telefonisch verständigt.

 

Der Unfall passierte am Sonnabend gegen 17 Uhr auf dem Gelände beim Befüllen eines Spirituskochers. Plötzlich schoss eine Flamme empor und verletzte die Jungen. Wie es dazu kommen konnte, ist noch nicht geklärt. "Ursache und Verlauf werden noch genauer untersucht", sagt Pröpstin Margit Baumgarten (50). Die Brandopfer wurden mit einem Rettungswagen ins rund 360 Kilometer entfernte Kopenhagener Krankenhaus gebracht. Ihre Eltern sind dort inzwischen auch eingetroffen.
"Die Jungen werden hervorragend betreut. Ihnen geht es besser als zunächst befürchtet", sagt die Pröpstin. Wie lange die Behandlung dauert, sei ungewiss.

 

Im Zeltlager haben der Campleiter, Pastor Kai Süchting (40), und seine vier Kollegen am Abend des Unglücks eine Andacht für die Konfirmanden aus Bargteheide und Eichede und ihre 25 Betreuer abgehalten. Um die Kinder, die den Unfall miterlebt haben, kümmerten sich die Erwachsenen besonders intensiv.

Kai Süchting erklärte der Ahrensburger Zeitung aus Dänemark am Telefon: "Wir nutzen die Gemeinschaft und gehen gemeinsam mit dem Unfall um. Normalität ist aber noch nicht eingekehrt." Die Teilnehmer würden sich immer wieder fragen, warum es gerade sie und ihre Freunde getroffen hat. Mit einem Gottesdienst, bei dem 25 Konfirmanden in der Nordsee getauft wurden, sei die Gruppe am Sonntag ein wenig zum Alltag zurückgekehrt.

 

25 Stunden lang saß Notfallseelsorger Ulrich Tomm, der auch Feuerwehrleute nach harten Einsätzen betreut, mit fünf Helfern am Telefon, um alle Angehörigen zu informieren. Damit wollte die Kirchengemeinde auch der Verwirrung entgegenwirken, für die kurze Handy-Anrufe und SMS-Mitteilungen der Teilnehmer gesorgt hatten. "Wir haben außerdem veranlasst, dass sich alle noch einmal bei ihren Familien melden", sagt Ulrich Tomm. Es wurden sogar Handys verteilt.

 

Gestern brachen drei Krisenhelfer nach Norre Lyngvig auf: Pastorin Kirsten Möller-Barbek (45), Hans-Joachim Tietgen (65), der Vater eines Konfirmanden, und Ole Thomsen (21), engagiertes Kirchenmitglied aus Bad Oldesloe und Sanitäter der Schnellen Einsatzgruppe (SEG) von DRK, ASB, Maltesern und DLRG.

Die Gruppe kehrt am Donnerstag nach Hause zurück.

 

Einige Konfirmanden wollten nach dem Unfall sofort zurück nach Hause, und 15 besorgte Eltern wollten ihre Kinder aus Dänemark abholen. Letztlich blieben alle Teilnehmer. "Wir haben die Eltern gebeten, dem Konfi-Camp eine Chance zu geben, die Erfahrung gemeinsam zu lösen, und sie sind darauf eingegangen", sagt Ulrich Tomm.

Die Gruppe kehrt am Donnerstag nach Bargteheide zurück. Die Kirchengemeinde wird die Busse mit zusätzlichen Seelsorgern und Beratern empfangen. "Das ist unser Angebot für alle, die noch Hilfe brauchen", sagt Pastor Tomm. Angehörige, die Fragen haben, können sich zudem an das Info-Telefon mit der Nummer 04532/50 25-0 wenden, das rund um die Uhr besetzt ist.

 

Pröpstin Margit Baumgarten wird am Donnerstag für alle Teilnehmer den Schlusssegen sprechen. "Ich hoffe, dass die Verletzten bald wieder gesund werden und dass wenig an schrecklicher Erinnerung bleibt", sagt sie. Das Konfi-Camp sei so ein tolles Projekt: "Schade, dass es einen dunklen Schatten bekommen hat."

Über die Zukunft des Zeltlagers entscheidet die Kirchengemeinde später. "Wir möchten die Rückkehr der Gruppe abwarten", sagt Ulrich Tomm. Bürgermeister Werner Mitsch (55) wünscht sich, dass die Menschen in Bargteheide besonnen reagieren: "Man sollte vernünftig damit umgehen. Hysterie oder vorschnelle Verurteilungen sind sicher fehl am Platz."

 

erschienen am 5. Juli 2005

 

 

 

 

Der Schock weicht Erleichterung

Feuer-Unfall: Die beiden verletzten Bargteheider Konfirmanden werden wohl keine Schäden behalten.

 

Von Jens Peter Meier

 

Bargteheide -

 

Erleichtert schließen Eltern ihre Kinder wieder in die Arme. Am späten Donnerstag Abend kehren 160 Konfirmanden der Kirchengemeinden Bargteheide und Eichede aus dem dänischen Sommercamp wieder nach Hause zurück. Bei der Abschlussandacht in der Bargteheider Kirche löst sich allmählich ihre Anspannung. Bei dem Lied "Alle gemeinsam und nicht alleine" singen und klatschen alle mit.

Sechs Tage sind vergangen seit dem Unfall im Konfi-Camp, bei dem zwei Jungen schwere Brandverletzungen erlitten (wir berichteten). Die Eindrücke sind noch frisch. Auf dem Campingplatz im dänischen Norre Lyngvig war es beim Befüllen eines Spirituskochers im Küchenzelt zu einer Verpuffung gekommen. Zwei 13 und 14 Jahre alte Jungen erlitten dabei Verbrennungen zweiten Grades. Sie wurden mit Rettungswagen sofort in eine Fachabteilung des Kopenhagener Reichskrankenhauses gebracht. Beide konnten inzwischen in eine Hamburger Klinik verlegt werden.

 

"Wir gehen davon aus, dass die beiden Jungen keine bleibenden Schäden davontragen werden", sagt Pröpstin Margit Baumgarten (50). Ihr liege daran, die Öffentlichkeit sachlich zu informieren. Baumgarten: "Es waren die wildesten Gerüchte im Umlauf."

Im Lager seien alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, sagt Thomas Krieg (50), der ebenso wie seine Tochter Svenja (15) die Gruppe begleitet hat. Die jugendlichen Betreuer, die im Lager Teamer genannt wurden, hätten optimal reagiert.

 

Das Unglück wurde in Gesprächen und Andachten verarbeitet.

"Sie haben den Verunglückten sofort mit einer Kaltwassertherapie geholfen", sagt Svenja Krieg. "Nach Auskunft der Ärzte war die Erstversorgung vorbildlich", sagt Margit Baumgarten.

"Für die Kinder, die das Unglück direkt miterlebt haben, war es natürlich ein Schock", berichtet Sozialpädagogin Rita Bogateck (48). Im Küchenzelt hielten sich während des Unfalls überwiegend Mädchen auf.

Trost fanden die Augenzeugen in Gesprächen mit ihren Betreuern und bei der abendlichen Andacht. Dann schrieben die Konfirmanden ihre Wünsche für die Verletzten auf. Die werden den beiden Jungen jetzt jeden Tag geschickt.

"Wir haben ein Lager mit fröhlichen jungen Menschen vorgefunden", sagt Pastorin Kirsten Möller-Barbek (45), die am Montag als Krisenhelferin angereist war. Drei Konfirmanden reisten allerdings vorzeitig ab. Für das zweite Camp, das noch bevorsteht, gab es keine Absage.

Mit dem Konfi-Camp wurde erstmals eine neue Form des Konfirmandenunterrichts erprobt. Das Pensum wird jetzt in zwei Wochen intensiven Gemeinschaftslebens absolviert. "Das Singen und die Workshops waren das Schönste für mich", sagt Tatjana (13). Und Anna-Lena (13) ergänzt: "Es war trotz allem gut."

Die Pröpstin ist zufrieden: "Wir konnten vermitteln, dass christlicher Glaube mit dem Leben zu tun hat." Auch 2006 wollen die Kirchengemeinden wieder ins Sommerlager fahren.

 

erschienen am 9. Juli 2005

 

 

http://www.abendblatt.de

 

Für das Internet bearbeitet am 23.07.2005 von Hanjo v. Wietersheim

 

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