Einsatz der Notfallseelsorge Bayern im Lk.
Sächsische Schweiz
Vorläufiger Kurzbericht
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Anforderung
Am 18.08.2002 ging eine Anforderung
des Zuständigen für die sozialen Dienste des BRK in Pirna an
die Notfallseelsorge Bayern.
Die erste Gruppe traf sich um 24:00
Uhr in Selbitz bei Hof um nach Pirna aufzubrechen. Pfr. v. Wietersheim
klärte dort die offizielle Anforderung durch den Landkreis Sächsische
Schweiz und die Zustimmung des Landeskirchenamts.
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Einsatzort
Einsatzort war der Landkreis Sächsische
Schweiz mit seiner großen Kreisstadt Pirna, hier waren die Notfallseelsorger
im Zeltdorf untergebracht. Die Einsatzzentrale befand sich im Sportzentrum
Sonnenstein. Von dort wurden die Einsätze im Landkreis koordiniert.
Schwerpunkt bildet neben Pirna das vom Hochwasser schwer geschädigte Müglitztal. In Bad Schandau bildete ab 21.08. – 29.08. ein eigener
Einsatzabschnitt, der vor allem von Einsatzkräften des KIT Eching
unter der Gesamtleitung der Notfallseelsorge Bayern betreut wurde, Dona
und Wesenstein waren weitere Einsatzorte während des gesamten Einsatzes,
hier war die Bevölkerung fast völlig evakuiert und kehrte erst
nach und nach zurück.
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Einsatzschwerpunkte
Im Sportzentrum Sonnenstein waren
zu Beginn des Einsatzes etwa 100 Evakuierte untergebracht und von der Notfallseelsorge
mit betreut. Zu Anfang des Einsatzes nahm die Zahl zu, da andere Aufnahmeorte
aufgelöst wurden nahm . Im weiteren Einsatzverlauf nahm ihre Zahl
nach und nach ab. Die Personen, die in ihre Heimatorte zurückkehrten
oder in andere Quartiere verlegt worden, wurden zum Teil von Notfallseelsorgern
begleitet. Zurück blieben in erster Linie alte, sozialschwache und
behinderte Menschen, die weiter betreut wurden.
Besonders in kleineren Orten war technische
und medizinische Hilfe anfangs nur sehr zögerlich präsent. Die
Notfallseelsorger wurden zu Beginn des Einsatzes auch um technische und
medizinische Hilfe gebeten.
Mit dem Fortgang der Aufräumarbeiten
waren immer mehr Menschen zu betreuen, die nun zur Ruhe kamen und für
die das Geschehene richtig bewusst wurde. Auf sie gingen Notfallseelsorger
zu, die zu zweit in den Orten Streife liefen. Auch an Ausgabeorten für
Verpflegung, Hausrat und finanziellen Hilfen waren Seelsorger als Ansprechpartner
vor Ort. Bei Bürgerversammlungen wurde versucht, deeskalierend zu
wirken. Bei Hausabrissen wurden die ehemaligen Bewohner betreut. Immer
wieder gab es Personen, bei denen eine Suizidgefährdung festgestellt
wurde und die entsprechende Betreuung benötigten.
Die Betreuung von Einsatzkräften,
die ebenfalls sehr stark belastet waren und teilweise krank wurden, wurde
am Rande mit geleistet. Für diese Arbeit bildete sich mit der Zeit
eine eigene Struktur unter der Regie des SBE e.V. heraus.
Ab 02.09. zeigte sich, dass die
"klassische" Notfallseelsorge immer weniger benötigt wurde. Vom 05.09.2002
bis zum Einsatzende wurde die Hilfe in die Gemeinden verlagert, um die
teilweise bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit belasteten Pfarrer
zu unterstützen.
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Zusammenarbeit
An den Einsätzen waren Mitarbeiter
der Notfallseelsorge Bayern und aus bayerischen KIT- und KID-Systemen beteiligt.
Aus Württemberg verstärkten Notfallseelsorger die Teams. Die
Zusammenarbeit gelang problemlos.
Vor der Abreise der Gruppen erhielten
die Teilnehmer in Selbitz ein Briefing, in dem sie sich auch kurz kennenlernen
konnten. Eine detaillierte Einweisung durch den vorangegangenen Einsatzleiter
der Notfallseelsorge geschah vor Ort.
In der ersten Woche des Einsatzes
bestanden noch erhebliche Probleme in der Kommunikation zu den Verantwortlichen
in Stadt, Landkreis und Landesregierung und Unklarheiten in den Zuständigkeiten
bzw. nicht geklärte Verantwortlichkeiten. Diese bestanden in der folgenden
Phase nicht mehr. Die Einsatzleiter berichten von einer immer besseren
Organisation und einer sehr guten Zusammenarbeit.
Im betreuerischen Bereich waren zunächst
Kräfte des LKA (Landeskriminalamt) und BGS vor Ort mit dem Auftrag
der Betreuung von Einsatzkräften. Ab Mitte der ersten Woche wurden
sie durch ein SbE-Team aus dem Rheinland abgelöst. In der Betreuung
von Betroffenen waren auch Notfallseelsorger aus dem Vogtland eingesetzt.
Vor allem bei der Betreuung von Kindern wurde mit örtlichen Psychologen
zusammengearbeitet.
Gelegentlich kam es zu Differenzen
und Verstimmungen bzgl. der Abgrenzung der Tätigkeiten. Diese konnten
jedoch in offenen Gesprächen geklärt werden und behinderten den
Einsatz insgesamt nicht.
Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen
des Landkreis und Kirchenkreises wurde, sobald sie geregelt war, als hervorragend
eingestuft.
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Organisation
Die Organisation des Gesamteinsatzes
durch einen Koordinator in Bayern und die engagierte Tätigkeit der
Nachalarmierungsstelle der Notfallseelsorge in Selbitz, die hier besonders
gewürdigt werden muss, sowie eines jeweils wechselnden Einsatzleiters
vor Ort haben sich bewährt.
Die Unterbringung der eingesetzten
Notfallseelsorger im Zeltlager und die Verpflegung funktionierten reibungslos.
Lediglich die Nähe des Nachtquartiers zu einem Stromaggregat störte.
Die Anfahrt mit überwiegend Einsatzfahrzeugen
war für die Mobilität vor Ort vorteilhaft. Vor Ort wurde zeitweise
durch freie Kräfte des Rettungsdienstes Fahrdienst geleistet.
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Einsatzende
Der Katastrophenfall für den
Landkreis Sächsische Schweiz wurde am 03.09.2002 aufgelöst. In
Absprache mit den Verantwortlichen wurde festgestellt, dass eine Indikation
für einen klassischen Notfallseelsorgeeinsatz nicht mehr gegeben war.
Die Gruppe vor Ort führte noch abschließende Tätigkeiten
durch. Die bayerische Landeskirche wurde vom Koordinator am 04.09.2002
über die Lage und das bevorstehende Einsatzende informiert. Eine letzte
Gruppe aus 6 Pfarrern wurde zur Entlastung der Gemeinden bis 08.09.2002
nach Pirna geschickt. Sie unterstützten die Pfarrer vor Ort, die durch
die Hochwasserproblematik ebenfalls bis an ihre Leistungsgrenzen gefordert
waren. Vorwiegend wurden von den Pfarrern Menschen in der Gemeinde genannt,
die besucht werden sollten. Es war für die Gemeindepfarrer eine Erleichterung
zu wissen, es ist jemand da, der unterstützt.
Eine Initiative "Pfarrer helfen Pfarrer"
von Pfr. Christoph Thiele soll möglicherweise in den nächsten
Monaten kollegiale Hilfen vermitteln. Offizielles Einsatzende war Sonntag
08.09.2002 um 14:00 Uhr nach einer Abschlussbesprechung der Notfallseelsorger
.
Zuvor wurde die letzte Einsatzgruppe
durch den örtlichen Superintendenten im Gottesdienst feierlich bedankt
und verabschiedet.
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Gesamtbewertung
Der Einsatz der bayerischen Notfallseelsorge
im Landkreis Sächsische Schweiz verlief erfolgreich. Die sehr motivierten
Seelsorger und KIT-Mitarbeiter arbeiteten gut zusammen. Differenzen in
der Zusammenarbeit mit anderen Einheiten konnten schnell und sachlich ausgeräumt
werden.
Die Beteiligung von Mitarbeitern aus
Baden-Württemberg war sehr hilfreich. Mussten Anfangs noch Interessierte
zurückgestellt werden, stiegen ab Mitte der zweiten Woche die Schwierigkeiten,
die Teams mit bayerischen Teilnehmern zu besetzen. Der Aufruf der Landeskirche
an alle Gemeinden fand sehr wenig Resonanz. Laut Auskunft der Nachalarmierungsstelle
gingen maximal 2 Meldungen ein.
Rückmeldungen von Betroffenen,
Landkreis und sächsischer Landeskirche waren sehr positiv.
Insgesamt hat die bayerische Notfallseelsorge
gezeigt, dass sie für einen längeren Einsatz gerüstet
ist. Auch über Landes- und Kirchengrenzen hinweg funktioniert eine
Zusammenarbeit im Rahmen der Notfallseelsorge.
Hoffen wir im Interesse derer, für
die wir da sein wollen, dass es so schnell nicht wieder nötig
ist.
Diakon Frank Larsen,
Koordinator des Gesamteinsatzes,
Vertretung von Hanjo von Wietersheim
Für das Internet bearbeitet am 18. September
2002.
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