Einsatz der Notfallseelsorge Bayern im Lk. Sächsische Schweiz

Vorläufiger Kurzbericht

  1. Anforderung

  2. Am 18.08.2002 ging eine Anforderung des Zuständigen für die sozialen Dienste des BRK in Pirna an die Notfallseelsorge Bayern.
    Die erste Gruppe traf sich um 24:00 Uhr in Selbitz bei Hof um nach Pirna aufzubrechen. Pfr. v. Wietersheim klärte dort die offizielle Anforderung durch den Landkreis Sächsische Schweiz und die Zustimmung des Landeskirchenamts.
     
  3. Einsatzort

  4. Einsatzort war der Landkreis Sächsische Schweiz mit seiner großen Kreisstadt Pirna, hier waren die Notfallseelsorger im Zeltdorf untergebracht. Die Einsatzzentrale befand sich im Sportzentrum Sonnenstein. Von dort wurden die Einsätze im Landkreis koordiniert. Schwerpunkt bildet neben Pirna das vom Hochwasser schwer geschädigte Müglitztal. In Bad Schandau bildete ab 21.08. – 29.08. ein eigener Einsatzabschnitt, der vor allem von Einsatzkräften des KIT Eching unter der Gesamtleitung der Notfallseelsorge Bayern betreut wurde, Dona und Wesenstein waren weitere Einsatzorte während des gesamten Einsatzes, hier war die Bevölkerung fast völlig evakuiert und kehrte erst nach und nach zurück.
     
  5. Einsatzschwerpunkte

  6. Im Sportzentrum Sonnenstein waren zu Beginn des Einsatzes etwa 100 Evakuierte untergebracht und von der Notfallseelsorge mit betreut. Zu Anfang des Einsatzes nahm die Zahl zu, da andere Aufnahmeorte aufgelöst wurden nahm . Im weiteren Einsatzverlauf nahm ihre Zahl nach und nach ab. Die Personen, die in ihre Heimatorte zurückkehrten oder in andere Quartiere verlegt worden, wurden zum Teil von Notfallseelsorgern begleitet. Zurück blieben in erster Linie alte, sozialschwache und behinderte Menschen, die weiter betreut wurden.
    Besonders in kleineren Orten war technische und medizinische Hilfe anfangs nur sehr zögerlich präsent. Die Notfallseelsorger wurden zu Beginn des Einsatzes auch um technische und medizinische Hilfe gebeten.
    Mit dem Fortgang der Aufräumarbeiten waren immer mehr Menschen zu betreuen, die nun zur Ruhe kamen und für die das Geschehene richtig bewusst wurde. Auf sie gingen Notfallseelsorger zu, die zu zweit in den Orten Streife liefen. Auch an Ausgabeorten für Verpflegung, Hausrat und finanziellen Hilfen waren Seelsorger als Ansprechpartner vor Ort. Bei Bürgerversammlungen wurde versucht, deeskalierend zu wirken. Bei Hausabrissen wurden die ehemaligen Bewohner betreut. Immer wieder gab es Personen, bei denen eine Suizidgefährdung festgestellt wurde und die entsprechende Betreuung benötigten.
    Die Betreuung von Einsatzkräften, die ebenfalls sehr stark belastet waren und teilweise krank wurden, wurde am Rande mit geleistet. Für diese Arbeit bildete sich mit der Zeit eine eigene Struktur unter der Regie des SBE e.V. heraus.
    Ab 02.09. zeigte sich, dass die "klassische" Notfallseelsorge immer weniger benötigt wurde. Vom 05.09.2002 bis zum Einsatzende wurde die Hilfe in die Gemeinden verlagert, um die teilweise bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit belasteten Pfarrer zu unterstützen.
     
  7. Zusammenarbeit

  8. An den Einsätzen waren Mitarbeiter der Notfallseelsorge Bayern und aus bayerischen KIT- und KID-Systemen beteiligt. Aus Württemberg verstärkten Notfallseelsorger die Teams. Die Zusammenarbeit gelang problemlos.
    Vor der Abreise der Gruppen erhielten die Teilnehmer in Selbitz ein Briefing, in dem sie sich auch kurz kennenlernen konnten. Eine detaillierte Einweisung durch den vorangegangenen Einsatzleiter der Notfallseelsorge geschah vor Ort.
    In der ersten Woche des Einsatzes bestanden noch erhebliche Probleme in der Kommunikation zu den Verantwortlichen in Stadt, Landkreis und Landesregierung und Unklarheiten in den Zuständigkeiten bzw. nicht geklärte Verantwortlichkeiten. Diese bestanden in der folgenden Phase nicht mehr. Die Einsatzleiter berichten von einer immer besseren Organisation und einer sehr guten Zusammenarbeit.
    Im betreuerischen Bereich waren zunächst Kräfte des LKA (Landeskriminalamt) und BGS vor Ort mit dem Auftrag der Betreuung von Einsatzkräften. Ab Mitte der ersten Woche wurden sie durch ein SbE-Team aus dem Rheinland abgelöst. In der Betreuung von Betroffenen waren auch Notfallseelsorger aus dem Vogtland eingesetzt. Vor allem bei der Betreuung von Kindern wurde mit örtlichen Psychologen zusammengearbeitet.
    Gelegentlich kam es zu Differenzen und Verstimmungen bzgl. der Abgrenzung der Tätigkeiten. Diese konnten jedoch in offenen Gesprächen geklärt werden und behinderten den Einsatz insgesamt nicht.
    Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Landkreis und Kirchenkreises wurde, sobald sie geregelt war, als hervorragend eingestuft.
     
  9. Organisation

  10. Die Organisation des Gesamteinsatzes durch einen Koordinator in Bayern und die engagierte Tätigkeit der Nachalarmierungsstelle der Notfallseelsorge in Selbitz, die hier besonders gewürdigt werden muss, sowie eines jeweils wechselnden Einsatzleiters vor Ort haben sich bewährt.
    Die Unterbringung der eingesetzten Notfallseelsorger im Zeltlager und die Verpflegung funktionierten reibungslos. Lediglich die Nähe des Nachtquartiers zu einem Stromaggregat störte.
    Die Anfahrt mit überwiegend Einsatzfahrzeugen war für die Mobilität vor Ort vorteilhaft. Vor Ort wurde zeitweise durch freie Kräfte des Rettungsdienstes Fahrdienst geleistet.
     
  11. Einsatzende

  12. Der Katastrophenfall für den Landkreis Sächsische Schweiz wurde am 03.09.2002 aufgelöst. In Absprache mit den Verantwortlichen wurde festgestellt, dass eine Indikation für einen klassischen Notfallseelsorgeeinsatz nicht mehr gegeben war. Die Gruppe vor Ort führte noch abschließende Tätigkeiten durch. Die bayerische Landeskirche wurde vom Koordinator am 04.09.2002 über die Lage und das bevorstehende Einsatzende informiert. Eine letzte Gruppe aus 6 Pfarrern wurde zur Entlastung der Gemeinden bis 08.09.2002 nach Pirna geschickt. Sie unterstützten die Pfarrer vor Ort, die durch die Hochwasserproblematik ebenfalls bis an ihre Leistungsgrenzen gefordert waren. Vorwiegend wurden von den Pfarrern Menschen in der Gemeinde genannt, die besucht werden sollten. Es war für die Gemeindepfarrer eine Erleichterung zu wissen, es ist jemand da, der unterstützt.
    Eine Initiative "Pfarrer helfen Pfarrer" von Pfr. Christoph Thiele soll möglicherweise in den nächsten Monaten kollegiale Hilfen vermitteln. Offizielles Einsatzende war Sonntag 08.09.2002 um 14:00 Uhr nach einer Abschlussbesprechung der Notfallseelsorger .
    Zuvor wurde die letzte Einsatzgruppe durch den örtlichen Superintendenten im Gottesdienst feierlich bedankt und verabschiedet.
     
  13. Gesamtbewertung
Der Einsatz der bayerischen Notfallseelsorge im Landkreis Sächsische Schweiz verlief erfolgreich. Die sehr motivierten Seelsorger und KIT-Mitarbeiter arbeiteten gut zusammen. Differenzen in der Zusammenarbeit mit anderen Einheiten konnten schnell und sachlich ausgeräumt werden.

Die Beteiligung von Mitarbeitern aus Baden-Württemberg war sehr hilfreich. Mussten Anfangs noch Interessierte zurückgestellt werden, stiegen ab Mitte der zweiten Woche die Schwierigkeiten, die Teams mit bayerischen Teilnehmern zu besetzen. Der Aufruf der Landeskirche an alle Gemeinden fand sehr wenig Resonanz. Laut Auskunft der Nachalarmierungsstelle gingen maximal 2 Meldungen ein.

Rückmeldungen von Betroffenen, Landkreis und sächsischer Landeskirche waren sehr positiv.

Insgesamt hat die bayerische Notfallseelsorge gezeigt, dass sie für einen längeren Einsatz gerüstet ist. Auch über Landes- und Kirchengrenzen hinweg funktioniert eine Zusammenarbeit im Rahmen der Notfallseelsorge.

Hoffen wir im Interesse derer, für die wir da sein wollen, dass es so schnell nicht wieder nötig ist.

Diakon Frank Larsen,

Koordinator des Gesamteinsatzes,
Vertretung von Hanjo von Wietersheim


Für das Internet bearbeitet am 18. September 2002.

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