Ein Einsatzbericht von Frank Larsen, Diakon aus Kulmbach:
Pirna, Kreisstadt des
Landkreises Sächsische Schweiz. Eine Gegend mit hübschen Kleinstädten und
einer Landschaft, die zum Urlaubmachen einlädt.
Seit dem Hochwasser ist vieles
anders. Die Wassermassen haben schwere Schäden hinterlassen. Die materiellen
Folgen sind erheblich. Doch nicht nur diese haben tiefe Spuren hinterlassen. Während
der Bemühungen zu retten was zu retten ist und während der Aufräumarbeiten
hatte jeder alle Hände voll zu tun. In manchen ländlichen Gebieten kam die
Hilfe erst spät. Das Gröbste war dann geschafft, doch die psychische
Verarbeitung ist noch lange nicht beendet. Als jeder Zeit hatte zum Nachdenken,
griffen Trauer, Wut und Frustration um sich.
Um den Betroffenen bei ihrer
emotionalen Verarbeitung des Geschehens zu helfen wurde am 18. August durch die
Verantwortlichen Unterstützung durch die Bayerische Notfallseelsorge
angefordert. Seitdem waren jeweils 10-15 Notfallseelsorger beider Konfessionen
sowie Helfer aus Kriseninterventionsteams vor Ort. Ergänzt werden sie durch
Kolleginnen und Kollegen aus Baden-Württemberg. Später trafen auch
Notfallseelsorger aus dem Vogtland und ein SBE-Team aus dem Rheinland ein,
jeweils unter eigener Leitung.
Stand ursprünglich die
Betreuung von Evakuierten und die Begleitung zurück in ihre Heimatorte im
Vordergrund, veränderte sich der Schwerpunkt hin zur Präsenz in den Orten an
Verteilstellen, bei Bürgerversammlungen und die Ansprache der Menschen vor Ort.
Auch wurden die Seelsorger verstärkt von den kirchlichen und politischen
Gemeinden angefragt.
Die Teams, die alle 4 Tage
abgelöst wurden um die eigene Belastung nicht zu groß werden zu lassen,
arbeiteten in kleinen Gruppen von Pirna aus. Einzelgespräche ergaben sich aus
vielen Begegnungen.
Auch die Einsatzkräfte vor Ort die oft selbst von den Schäden betroffen sind,
sind an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, werden häufig krank. Sie wurden
in erster Linie von SBE-Teams betreut.
Der Katastrophenfall für den
Landkreis Pirna wurde am 03.09.2002 aufgehoben. Die Notfallseelsorge blieb aber
noch bis 08.09.2002, um die teilweise bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit
belasteten Pfarrer vor Ort in den Gemeinden durch Unterstützung beim
Besuchsdienst, im Pfarramt und gemeindlichen Veranstaltung zu unterstützen.
Dieser erste Großeinsatz für die Notfallseelsorge in Bayern, bei dem insgesamt etwa 85 Pfarrer, Diakone und weitere Mitarbeitende beteiligt waren ,konnte nach dreiwöchiger Dauer erfolgreich abgeschlossen werden. Die Nachalarmierungsstelle bei der Christusbruderschaft in Selbitz und die Gesamtkoordination von Bayern aus bewährten sich ebenso wie die Einsatzleiter und Seelsorgerinnen und Seelsorger vor Ort.
Diakon Frank Larsen, Kulmbach
Für das Internet bearbeitet am 18.09.2002
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